Charta der Vielfalt

Kaum Thema ist derzeit in der öffentlichen Debatte in Deutschland und Europa so emotional besetzt wie Migration und gesellschaftliche Vielfalt. Die Ereignisse von Chemnitz sind nur die aktuelle Spitze des Eisbergs und zeigen, wie tief die Unsicherheit im Land in dieser Frage ist. Ich finde es gut, dass sich viele deutsche Arbeitgeber an der Initiative mit dem Hashtag #flaggefürvielfalt, die von der Charta der Vielfalt gestartet wurde, beteiligen.

Wir müssen die Sorgen ernst nehmen

Als Geschäftsführer einer auf interkulturelles Management spezialisierten Unternehmensberatung erlebe ich jeden Tag, mit welchen Fragen und Sorgen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf mein Team und mich zukommen. Bei unserer Arbeit ist uns ein Grundsatz sehr wichtig: Wir bewerten keine Meinungen oder Positionen, sondern versuchen auf beiden Seiten Verständnis für das jeweilige Gegenüber zu ermöglichen. Das mag banal klingen, ist im interkulturellen Training aber keineswegs immer einfach. 

Ich habe persönlich schon viele interkulturelle Trainings geleitet, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Thema Zuwanderung mehr als kritisch gegenüber stehen. Einige machen aus ihren Sympathien für die AfD oder für Thesen der PEGIDA keinen Hehl. Wie verhalte ich mich da als ein Trainer, der von der Bedeutung von Vielfalt für den dauerhaften Erhalt des Standortes Deutschland überzeugt ist? Ich höre erst einmal zu. Dabei erlebe ich, dass die allermeisten meiner kritischen Gesprächspartner zunächst keineswegs "böse" sind, sondern sich schlicht und ergreifend Sorgen machen. In diesem Umfeld die #flaggefürvielfalt hochzuhalten, bedeutet für mich, diese Sorgen ernst zu nehmen.

Interkulturelle Kompetenz ist ein lebenslanger Lernprozess

Unsere Aufgabe als interkulturelle Trainerinnen und Trainer besteht darin, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, für den Umgang mit dem Fremden gesunde Strategien zu entwickeln. "Interkulturelle Kompetenz" lässt sich aber nicht an einem Tag vermitteln - schon gar nicht per Dekret - sondern ist ein lebenslanger Lernprozess, den wir vielleicht ein kleines Stück positiv begleiten dürfen.

Wir müssen auch berücksichtigen, dass die Voraussetzungen sehr unterschiedlich sind. In einigen Bundesländern zeigt sich jetzt, wie sich die Vernachlässigung von Themen wie Gemeinschaftskunde, politischer Bildung, Ethik oder Religion durch die Bildungspolitik auf das kulturelle Selbstbewusstsein auswirkt. Wer das jetzt schnell aufholen will, darf sich nicht wundern, wenn Gauland, Höcke & Co Ängste vor kultureller Umerziehung schüren. 

Kultureller Protektionismus macht mir Sorgen

Wer im Umgang mit fremden Kulturen bestehen will, sollte zunächst sich selber und die eigene Kultur kennen. Werfen wir einen Blick auf die deutsche Kultur, stellen wir dabei fest, dass wir ohne Vielfalt nicht da wären, wo wir heute sind. Vieles, was uns in Deutschland über die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte lieb und teuer geworden ist, verdanken wir der gesellschaftlichen Vielfalt, die Deutschland schon immer ausgezeichnet hat. Vom Kaffee am Morgen über meine Kleidung bis zum Bier am Feierabend: Dinge, die "typisch deutsch" sind, kamen auch irgendwann zu uns. Und dafür bin ich dankbar!

Wozu kultureller Protektionismus und Abschottung führen können, sieht man heute vielleicht am besten in Japan. In den letzten Jahrzehnten hat man dort versucht, Wirtschaft und Gesellschaft vor Einflüssen wie Zuwanderung und Internationalisierung zu schützen. Das Ergebnis ist eine überalterte Gesellschaft, die jetzt vor allem Pflegekräfte braucht und der in der hochspezialisierten Industrie die Fachkräfte fehlen. Unter diesen Bedingungen wird die japanische Wirtschaft auf Dauer nicht wachsen können.

Gesellschaften, die sich aktiv gegen Zuwanderung und Vielfalt stellen, erleben früher oder später einen wirtschaftlichen und sozialen Stillstand. Was in Japan kurz bevor steht, möchte ich für Deutschland auf keinen Fall. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass wir Vielfalt brauchen. Wir sollten keine Angst vor ihr haben, sondern die Chancen entdecken, die der kulturelle Austausch mit sich bringt. Deswegen zeige ich auch weiterhin meine #flaggefürvielfalt.



 

BAMIK GmbH
Hagenauer Str. 12
10435 Berlin
Telefon: (030) 762 392 000
Fax: (030) 762 392 009


Über uns:

Aktuelle Nachrichten
Veranstaltungskalender
Impressum
Datenschutzerklärung

Service:

Kontakt
Raumvermietung
Newsletter



Mobile Version